Metal Assault III: Manilla Road, Raven, Brocas Helm, Attacker u.v.m. – 2.2.2013 Posthalle Würzburg

Manilla-Road-Metal-Assault-Wuerzburg-2-2-2013-02Zum dritten Mal ging am 02.02.2013 das Metal Assault Festival über die Bühne. Gleich zehn Bands der „Keep It True“-Fraktion konnten die Veranstalter verpflichten, darunter so klangvolle Namen wie BROCAS HELM, RAVEN und der Headliner MANILLA ROAD. So viel vorweg: Das MetalAssault konnte alle Erwartungen voll und ganz erfüllen! Von der ersten Vorband bis zur fast dreistündigen Mammut-Show von MANILLA ROAD konnten die rund 1.100 angereisten Kuttenträger headbangen und feiern, was das Zeug hielt.

Die aus grauem Beton gebaute Posthalle in Würzburg verwandelte sich für einen Tag in das Mekka des klassischen Heavy Metals – und war Schauplatz eines friedlichen, rundum gelungenen Festivals, das eine europaweite Anziehungskraft hat. Im Stimmengewirr waren neben Deutsch in allen möglichen Dialekten auch Englisch, Französisch, Italienisch, Polnisch, Schwedisch und sicher auch noch ein paar andere Sprachen zu hören. Da die Posthalle praktischerweise direkt am Würzburger Bahnhof liegt, war die Anreise für die meisten Besucher auch kein Problem.

Im hinteren Bereich der Halle gab es einige Merchandise-Stände und CD-Händler, bei denen nicht nur die Besucher, sondern teilweise auch die Bandmitglieder stöberten. Positiv war auch, dass die Veranstalter es schafften, Meet&Greets mit den Bands zu organisieren, so dass die Besucher die Musiker nach ihren Auftritten noch treffen konnten. Die Bands selber waren fast alle locker genug, um vor und nach ihren Shows durch die Halle zu laufen oder mit den anderen Fans vor der Bühne zu headbangen – „DenimandLeather, Broughtus all together“, fassten SAXON schon vor über 30 Jahren dieses Lebensgefühl zusammen.

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Den Festivaltag eröffneten um Punkt 12 Uhr SKELATOR aus Seattle, die eine fidele Mischung aus Power und Speed Metal boten und damit den Kurs für den restlichen Tag setzten: Volle Kraft voraus! Der nordamerikanische Fünfer legte sich von Anfang an voll ins Zeug und gefiel durch viel Spielfreude. Als Schmankerl spielten SEKALTOR den neuen Song „Stronger in Steel“ das erste Mal live. Das Publikum – die Halle war bereits etwas halb voll – dankte es SKELATOR mit viel Applaus und fliegenden Haaren. Am Getränkeausschank dürfte man sich ebenfalls über die schweißtreibenden Aktionen der Headbanger gefreut haben. Es lief also gut, was Musik und Bierkonsum anging.

Nach der erfreulich kurzen Umbaupause ging es mit STORMZONE aus dem irischen Belfast weiter. Die Schwermetaller von der grünen Insel boten klassischen Heavy Metal, der sich hervorragend zum Bangen eignet, und so flogen die Haare auf und vor der Bühne. Besonders Sänger Harv gab sich alle Mühe, die Fans zum Mitsingen zu animieren, was die Meute dankbar annahm. Auch wenn STORMZONE relativ neu sind (2006 gegründet), gehören Sänger John „Harv“ Harbinson und Drummer Davy Bates zu den Veteranen des Insel-Metals, spielten sie doch beide bei SWEET SAVAGE – jener Band, die Vivian Campbell einst verließ, um an der Seite des unvergesslichen Ronnie James Dio zu klampfen. STORMZONE legten in Würzburg einen tollen Auftritt hin und erinnerten an die glanzvollen Zeiten der New Wave of British Heavy Metal, die sie für knapp 45 Minuten erneut aufleben ließen.

Als nächstes dekorierten TRIAL´(die schwedischen Metaller, nicht die Hardcore-Band aus Seattle) den Drumriser erst Mal geschmackvoll mit Totenköpfen und Räucherstäbchen, bevor sie loslegten und die Menge mit wuchtigem Metal der klassischen Art überrollten. TRIAL sind heavy und melodisch, dank ihres Sängers ein wenig theatralisch und insgesamt eine tolle Festival-Band, die einfach gute Laune versprüht. Daran änderte auch die Tatsache nicht, dass TRIAL sich überwiegend in rot angestrahlten Nebel hüllten – das wirkte düsterer, als der spaßige Auftritt der Schweden war.

Auf TRIAL folgten POSSESSOR, die im positivsten Sinne völlig durchgeknallten Old-School-Thrasher aus Virgina, die offensichtlich die Mad Max-Filme mehrere Dutzend Male aufmerksamst studierten und wie eine Horde wilder Metal-Punks die Bühne stürmten. Der rohen Energie der fünf Musiker konnte sich keiner widersetzen, hier passten Erscheinungsbild, Stageacting und Musik wie die Faust aufs Auge. POSSESSOR machten keine Gefangenen: Sie beschreiben ihre Mucke als „Mean, Old-School, Meltyourface off, skullcrushing, Poser Destroying THRASH FUCKING METAL!” – und genau das gab es auch eine Dreiviertelstunde lang, voll auf die Zwölf. Herrlich! Und dazu noch das tolle NASTY SAVAGE-Cover „Metal Knights“ – passender geht es kaum.

Deutlich schneller ging es danach bei ANTICHRIST zur Sache. Die schwedischen Speed Metaller konzentrierten sich auf ultraschnelle Riffs und fliegende Haare, was nur nur durch etwas uninspiriert wirkende Ansagen ihres Sängers unterbrochen wurde. Wobei mir nicht klar wurde, ob Mikrobändiger Steken immer so drauf ist, oder ob er unter dem Einfluss von Substanzen stand, die im Betäubungsmittelgesetzt aufgeführt sind. ANTICHRIST waren sicher die härteste Band des Tages und hoben sich durch ihren ungeschliffenen, rohen Sound wohltuend von vielen überproduzierten modernen Thrash-Bands ab. Sie erinnerten an die 1980er-Jahre, als viele junge Bands aus dem Speed-, Thrash- und Death Metal-Bereich mit einfachsten Mitteln beachtliche Demos produzierten. Genau das lieferten ANTICHRIST auch in Würzburg ab, sehr zur Freude der bangenden Meute vor der Bühne.

Der Kontrast könnte kaum größer sein, denn JUTTA WEINHOLD und ihre Band boten im Anschluss fetten Heavy Metal der langsamen, stampfenden Sorte. Wer Juttas Alter nicht kennt und es anhand ihres Auftritts schätzen müsste, dürfte sich um 15 bis 20 Jahre vertun – die Dame ist Jahrgang 1947 und wirbelte über die Bühne wie die deutlich jüngeren Musiker, die vorher auftraten. Neben der bemerkenswerten Energie Jutta Weinholds fiel sie vor allem durch hre markante Stimme auf, die so klar und kraftvoll war wie früher, als sie mit ZED YAGO für Aufsehen sorgte. In Würzburg begleiteten die Gitarristen Norbert Kujus Gitarre und Rainer Schefe sowie Bassist Wolfgang Schönfeld und Drummer ColoKöhler die Ausnahmesängerin durch ein Best of der Songs von ZED YAGO und VELVET VIPER. Der frenetisch von den Fans gefeierte Auftritt gipfelte im Song „Rebel Ladies“, bei dem Jutta einige weibliche Metal-Fans auf die Bühne holte und mit ihnen gemeinsam feierte.

Um 18 Uhr ging das Metal Assault mit den Speed Metal-Heroen ATTACKER in die heiße Phase. Die Band aus New Jersey hat knapp 30 Jahre Metal-Geschichte in den Knochen und einige Höhen und Tiefen erlebt. In Würzburg präsentierten sich ATTACKER mit ihrem 2012 eingestiegenen Sänger Bobby „Leatherlungs“ Lucas und dem neuen Bassisten Lou Ciarlo in Bestform. Witzig: Sänger Bobby wurde in Würzburg geboren und hatte damit quasi ein Heimspiel – natürlich wurde seine diesbezügliche Ansage von den Fans entsprechend gefeiert. ATTACKER lieferten eine blitzsaubere Vorstellung ab, spielerisch perfekt und voller Energie. Der hohe Gesang Bobbys, die anspruchsvollen Gitarrenduelle zwischen Mike Benetatos und Pat Marinelli (einem der Bandgründer) und die bombenfeste Rhythmussektion mit Gründungs-Drummer Mike Sabatini muss man live gesehen haben – mit den schon erstklassigen Studioaufnahmen ist das kaum zu vergleichen. ATTACKER ließen sich zu Recht von den Fans feiern, die eine herausragende Live-Show zu sehen bekamen.

Schon lange vor ihrem Auftritt schallten „BROCAS HELM, BROCAS HELM“-Schlachrufe durch die Posthalle. Als das legendäre Trio schließlich mit leichter Verspätung die Bühne enterte, gab es vor dem Sicherheitsgraben kein Halten mehr. Das Power Metal-Trio bolzte sich mit einer Vehemenz durch seine Klassiker, dass es keinen mehr wunderte, als nach den ersten Songs die ersten Crowdsurfer in die Arme der Security segelten. BROCAS HELM leisteten sich gleich drei Solo-Einlagen: Gitarrist und Sänger Bobby Wright fiedelte sich durch klassisch angehauchte Riffs, Basser Jim „The Wizard“ Schumacher zauberte originelle Tonfolgen aus seinem Bass, während Drummer Tom „T-Bone“ Behney mit vertrackten Rhythmen für Aufsehen sorgte . Wobei Fans der Band aus San Francisco ohnehin wissen, was die drei Musiker technisch so drauf haben. BROCAS HELM lieferten in Sachen ausgelassener Stimmung sicher den Höhepunkt des Festivals.

Etwas später als geplant stürmten RAVEN die Bühne. Die britischen Urväter des Speed und Thrash Metal sind schon 40 Jahre als Band unterwegs und seit ihrer Gründung kein bisschen leiser geworden. Die Brüder John und Mark Gallagher (Bass bzw. Gitarre) und Schlagzeuger Joe Hasselvander zeigten den Jungspunden, wie Altherren-Metal im Jahr 2013 aussieht: wild, ausgelassen, verschwitzt, laut, derb, augenzwinkernd und vor allem bretthart. RAVEN setzen auf schnelle Riffs, die punktgenau von den Drums angefeuert werden und so eine rasend schnelle Speed-Orgie abfeuern – live immer einen Tick schneller und härter als den Studioalben. Dass Mark beim Versuch, eine Wasserflasche ins Publikum zu kicken, ähnlich kläglich scheiterte wie englische Fußballer beim Elfmeterschießen tat dem grandiosen Auftritt von RAVEN keinen Abbruch.

Gegen 22:45 traten schließlich die Headliner MANILLA ROAD an, die eine epische Show von über zweieinhalb Stunden Länge versprochen hatten. Anlässlich des 30-jährigen Jubiläums der Veröffentlichung ihres Albums „Crystal Logic“ wollten sie dieses in voller Länge mit dem damaligen Drummer Rock Fisher darbieten, zusätzlich auch noch das Album „Open the Gates“. Und danach spielten MANILLA ROAD noch mal über eineinhalb Stunden mit dem aktuellen Drummer Neudi Neuderth viele weitere Klassiker. Auch wenn die Band schon einige Jahrzehnte auf dem Buckel hat, wälzt sich ihr epischer Metal ungebremst wie zähflüssige Lava durch die Gehörgänge. Dabei spielten MANILLA ROAD schon Epic Metal, als es diesen Begriff noch überhaupt nicht gab. Die Band war der krönende Abschluss eines herausragenden Festivals, das im noch jungen Jahr 2013 die Messlatte für Metal-Festivals bereits enorm hochlegte. Daran werden sich kommende Konzerte und Festivals messen lassen müssen. das wirkte düsterer, als der spaßige Auftritt der Schweden war.

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