With Full Force 2013 – Donnerstag, 27.06.2013

Zum 20. Jubiläum des With Full Force-Festivals hatten sich die Veranstalter als Besonderheit ein „20th Anniversary Special“ ausgedacht und somit die Veranstaltung von drei auf vier Tage erweitert. Am Donnerstag, 27. Juni 2013, ging es bereits um 18 Uhr los – pünktlich auf die Minute eröffneten ELSTERGLANZ das Festival auf „Deutschlands härtestem Acker“, allerdings ohne uns. Wir standen zu diesem Zeitpunkt bereits eine gute Stunde am Presse-Schalter an, um unser Einlassbändchen und den Fotopass abzuholen. Eigentlich keine große Sache, aber das Mädel am Schalter wirkte hoffnungslos überfordert, anhand der ausgedruckten Akkreditierung die nötigen Utensilien für den Einlass zusammen zu suchen… Damit hörten ELSTERGLANZ schon wieder auf, während wir noch im Regen standen und hofften, es wenigstens bis zum Auftritt von NEWSTED zu schaffen.
Apropos Regen: Das Gebiet um Roitzschjora war eh schon Opfer der verheerenden Überschwemmungen im Juni 2013, denen unter anderen die wichtige Verbindungsstraße B184 zum Opfer gefallen war, was einige Umwege zur Folge hatte. Aber auch am Donnerstag regnete es immer wieder, so dass das Festivalgelände auf dem Flughafen bei Löbnitz entsprechend aufgeweicht und die Wege schlammig waren. Kein Wunder also, dass wir bis zur Hüfte mit Matsch bedeckt waren, nachdem wir im Laufschritt Richtung Bühne trabten, endlich mit Bändchen und Fotopass ausgestattet.

 

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Etwas außer Atem vor der Bühne angekommen, legte Jason Newsted mit seiner neuen Band NEWSTED auch schon los. Die Erwartungen waren riesig, das war dem Ex-METALLICA-Basser durchaus bewusst. Vielmals bedankte er sich für das zahlreiche Erscheinen der Fans und die „Jason, Jason“-Rufe und beschwor immer wieder den Zusammenhalt der Metal-Gemeinde. Dass Newsted in Sachen Bühnenpräsenz immer noch einiges zu bieten hat, bewies er in den wenigen Momenten, in denen er nicht hinterm Mikro festgenagelt war. Das war auch der Knackpunkt der Show: Jason Newsted ist ein toller, dynamischer Bassist mit cooler Mimik und Gestik – aber ein begnadeter Sänger ist er nicht. Das fiel am deutlichsten beim METALLICA-Cover „Whiplash“ auf, das NEWSTED als letzten Song spielten. Mit einem eigenen Sänger könnte Jason Newsted sich wieder freier bewegen, und auch die Songs würden wohl davon profitieren.

Mit AGNOSTIC FRONT betrat dann eine echte Hardcore-Kultband die Bühne und demonstrierte eindrucksvoll, wie frisch und voller Energie die New Yorker nach über 30 Jahren noch immer klingen. Pausenlos wuselte die Truppe über die Bühne, hüpfte munter auf und ab und ballerte dem Publikum eine Granate nach der anderen um die Ohren. Klar, dass schnell erste Pits entstanden und Crowdsurfer unterwegs waren. AGNOSTIC FRONT hätten gerne noch länger spielen dürfen, Energie hätten sie und die Meute vor der Bühne sicher noch gehabt.

Gut, dass die Umbaupausen so kurz waren, denn bevor man sich abkühlen konnte, heizten HATEBREED die Stimmung weiter an. Jamey Jasta konnte es sich nicht verkneifen, allen Kritikern und Zweiflern den Mittelfinger zu zeigen: „Man sagte uns, wir seien zu sehr Hardcore für die Metal-Fans, und zu metallisch für die Hardcore-Fans. Fuck you!“ HATEBREED passten zum With Full Force wie der Arsch auf den Eimer und waren musikalisch gesehen das perfekte Bindeglied zwischen AGNOSTIC FRONT und SLAYER, die im Anschluss als Headliner spielten. Wie eine Dampframme legten HATEBREED los und gaben erst Ruhe, als auch der letzte Regentropfen aus den Klamotten der WFF-Besucher gepogt war.

SLAYER wirken eigentlich immer so, als könnte sie nichts und niemand anfechten. Auf der WFF-Bühne gaben sie sich also so cool, als wäre Jeff Hannemann nie gestorben oder Dave Lombardo nie wegen kritischer Nachfragen zum Finanzgebaren gefeuert worden. Mit „World painted black“ legten SLAYER los wie eh und je, musikalisch präzise und im Stageacting spartanisch. Aktivposten war wieder Gary Holt von EXODUS, der seinen Bewegungsspielraum am besten nutzte und mehr als einen Quadratmeter in Anspruch nahm. Doch wenn SLAYER ihre Klassiker wie „Mandatory Suicide“, „South of Heaven“ oder „Raining Blood“ spielen, sind solche Dinge ebenso nebensächlich wie kalter Wind, Schlamm oder Regen. SLAYER sind SLAYER, trotz wechselnder Besetzung. Punkt.

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